Fleischkonsum – Mitverantwortung für Hungertote, Treibhausgase, Tierleid

Fleischkonsum – Mitverantwortung für Hungertote, Treibhausgase, Tierleid
(11.01.2011) — Kampagnen-Arbeitsheft
Unsere Ernährungsgewohnheiten haben einen wesentlichen Einfluss auf das globale Klima.

Laut der Welternährungsorganisation (FAO) stammen aus der Landwirtschaft 18 Prozent aller Emissionen des Treibhausgases CO2. Das ist erheblich mehr als die Emission des Straßenverkehrs. Die Viehzucht setzt 9 Prozent des Kohlendioxids frei, 37 Prozent des Methans sowie 65 Prozent der Stickoxide. Letztere stammen aus den reichlich eingesetzten Düngemitteln. Die Tiere erzeugen naturgemäß riesige Mengen an Gülle. Daraus entfleucht massenhaft Ammoniak in die Luft, das stark zur Versauerung des Regens und damit der Waldböden und Gewässer beiträgt. In den USA beispielsweise erzeugt die landesweit größte Schweinezuchtanlage mehr Mist als die Metropole Los Angeles an Müll.

Dazu kommt der extrem hohe Verbrauch an Ressourcen. Um 1 Kilo Fleisch zu erzeugen, braucht man 7 bis 16 Kilogramm Getreide. Auf der dafür benötigten Fläche ließen sich im selben Zeitraum 200 Kilogramm Tomaten oder 160 Kilogramm Kartoffeln ernten. Fleischverzehr wird somit zur effektivsten Form der Nahrungsmittel-Vernichtung. Bei der Erzeugung einer Frikadelle entstehen beispielsweise 796 Gramm CO2, bei einem Getreidebratling nur 63 Gramm. Der Genuss der fleischlichen Frikadelle beeinträchtigt das Klima also 13-mal stärker. Dazu kommt: Nur 10 Prozent der an das Vieh verfütterten Proteine und Kalorien werden in Form von Fleisch wieder gewonnen. Zusätzlich werden hunderttausende Hektar bebaubaren Landes von Vieh benutzt, das als Nahrungsmittel dienen soll.

Und die negativen Auswirkungen der Fleischeslust gehen noch weiter: Knapp die Hälfte der globalen Getreideernte und 90 Prozent der jährlichen Erträge von Sojabohnen landen in den Trögen der weltweit 20 Milliarden Nutztiere - bei weltweit über 850 Millionen hungernden Menschen. Vor allem in Entwicklungsländern wird das Futter für unseren extremen Fleischhunger angebaut - damit blockieren wir Flächen, die hungernden Menschen zum Überleben verhelfen könnten.

Den größten Anteil an der desaströsen Klima-Bilanz haben die etwa 1,5 Milliarden Rinder weltweit. In ihren Mägen entsteht Methan - 75 Kilogramm pro Tier. Insgesamt werden allein durch die Rülpser und Fürze der Rindviecher über 112 Millionen Tonnen des Gases emittiert, das eine 23-mal größere Treibhauswirkung als CO2 hat. Hinzu kommen laut FAO jährlich 2,4 Milliarden Tonnen CO2 durch die Rodung von Wäldern für Weiden und Ackerland.

Der Fleischkonsum ist seit Omas Zeiten enorm gewachsen: Zwischen 1961 und 2004 stieg er pro Kopf in Deutschland jährlich von 64 auf 82 Kilogramm. Auch in anderen Industrieländern ist Fleisch längst zur alltäglichen Speise geworden. Eine Welt ohne Tierhaltung wird es nicht geben - Nutztiere gehören zum menschlichen Leben. Notwendig ist es jedoch, für unseren Fleischverbrauch das richtige Maß wiederzufinden. Davon profitiert auch die Gesundheit, denn zahlreiche Zivilisationskrankheiten werden mit zu hohem Fleischkonsum in Verbindung gebracht, nachgewiesen ist beispielsweise ein Anstieg des Darmkrebsrisikos.

Zugenommen hat in den vergangenen Jahren der ethisch begründete Vegetarismus: In Deutschland stieg die Zahl der Vegetarier von schätzungsweise einer Million zu Beginn der achtziger Jahre auf gegenwärtig über drei Millionen. Ethisch argumentierende Vegetarier geben an, dass sie nicht möchten, dass ihretwegen Tiere leiden müssen und getötet werden. Dabei geht es um Vorgänge vor und während der Schlachtung sowie um eine nicht artgerechte Tierhaltung. Das betrifft besonders die Massentierhaltung. Wer nicht gleich Vegetarier werden will, sollte sich deshalb zumindest auf Produkte von Tieren aus artgerechter Haltung beschränken. So gelten für alle Produkte mit Öko-Zertifizierung viel höhere Maßstäbe als bei der konventionellen Tierhaltung.

Links:
www.vebu.de
www.veggiday.de
www.veggieportal.de
www.richtig-essen.org
www.fleischlos-geniessen.de

Foto: klaas hartz / pixelio